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Prof. Dr. Aina Torrent-Lenzen: Ist-Norm, Soll-Norm und Diasystem
Bekanntlich sind viele Linguisten der Meinung, in der Sprachnormenforschung solle sich der Sprachwissenschaftler ausschließlich mit den sprachlichen Gegebenheiten, das heißt mit der so genannten „Ist-Norm“, befassen, anstatt diese nur noch als normgerecht oder normabweichend zu klassifizieren. Ausgehend von der Prämisse, dass man unter dem Begriff der „Soll-Norm“ den Gebrauch und die Vermittlung von bestimmten, mit anderen Wörtern und Strukturen konkurrierenden sprachlichen Werten versteht, sollen in diesem Forschungsprojekt die Verhältnisse zwischen Diasystem einerseits und Ist-Norm bzw. Soll-Norm andererseits untersucht werden, und zwar mit dem Ziel, die Annahme einer Ist-Norm als Größe, auf welcher der Linguist bzw. der Sprachlehrer seine Arbeit angeblich ausschließlich basieren sollte, zu relativieren. Dies wird ergänzt durch Beispiele aus dem Unterricht des Spanischen als Fremdsprache und aus dem sprachlichen Zusammenleben in der spanischen Sprachgemeinschaft. Es wird die These vertreten, dass die Annahme einer Ist-Norm umso fragwürdiger wird, je formeller die Sprechsituation bzw. das Schreibziel ist. Gleichzeitig wird zur Diskussion gestellt, ob man nicht überlegen sollte, in der Sprachnormenforschung die Kategorie „Unwissenheit“bzw. „Mangel an Bildung“ als Faktor in Betracht zu ziehen, der die übliche Unterscheidung zwischen Ist-Norm versus Soll-Norm sowie antinormative Zielsetzungen zumindest in Bezug auf bestimmte Sprechsituationen bzw. Schreibziele in Frage stellt. Die Bedeutung des Themas für die akademische Welt im Bereich des Fremdsprachenunterrichts und des Übersetzens ist offensichtlich, denn damit hängen die im Unterricht anzuwendenden Korrektheitskriterien zusammen.
Ergebnisse veröffentlicht in:
Torrent-Lenzen, Aina (2005): «Norma objetiva, norma prescriptiva y diasistema», in: Romanistik in Geschichte und Gegenwart, Heft 11:2, Hamburg: Helmut Buske, 143-156.
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Forschungsbericht FHK 2005
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siehe auch
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